Außenminister a. D. Sigmar Gabriel zu Gast in der Filderhalle

Veröffentlicht am 15.05.2019 in Presseecho

„Wir sind die letzten Vegetarier in einer Welt der Fleischfresser“: Auf Einladung von MdB Nils Schmid, des SPD-Ortsvereins Leinfelden-Echterdingen sowie des SPD-Kreisverbands Esslingen war vor kurzem Sigmar Gabriel, Außenminister a. D., zu Gast in der Filderhalle in Leinfelden. Er referierte dort zum Thema: „Die Zukunft Europas“. Nach Ansicht Gabriels muss Europa gestärkt werden und mit einer Stimme sprechen, damit es außenpolitisch ernst genommen wird. Derzeit verlagerten sich die wirtschaftlichen, politischen und militärischen Achsen vom Atlantik in den Pazifik. „Wir erleben gerade eine Zeitenwende“, machte Gabriel klar. Gehe die Entwicklung so weiter, gebe es künftig eine „G 2 Welt“, bestehend aus den Riesen China und USA. Am Beispiel des alten Venedigs stellte Sigmar Gabriel anschaulich dar, wie eine einstige Wirtschaftsmacht absteigen kann, wenn sich die Wirtschaftsachsen verschieben.

Artikel: Hans-Ulrich Kramer, Schriftführer SPD L.-E.; Foto: Jan Münster, Mitarbeiter MdB Nils Schmid

Die Werte, auf die sich Europa gründet – etwa der Wert der Gleichberechtigung, dass jeder Mitgliedsstaat also eine Stimme hat – wirkten auf China, die Türkei, Russland oder das Trump-Amerika „komisch“: „Das sind alles Fleischfresser – und wir die letzten Vegetarier!“. Es sei zwingend nötig, dass die EU wieder besser zusammenhalte: „Sonst spielen die anderen Ping-Pong mit uns.“ Die Werte der EU gelte es zu verteidigen, ein Binnenmarkt reiche zur Identitätsstiftung nicht aus. Hinzukommen müssten mehr soziale und ökologische Regeln. Gabriel plädierte auch für ein EU-weit gültiges, faires Steuersystem. Dieses sei für die Solidarität innerhalb Europas zentral. Auch die Beziehungen zum Nachbarkontinent Afrika müssten neu ausgerichtet werden. Mit Unverständnis reagierte der Außenminister a. D. darauf, dass die deutsche Bundesregierung Macron auf dessen EU-Reformvorschläge in schöner Regelmäßigkeit nie antworte. Dies sei „fahrlässig“. Dabei sei die als Friedensprojekt angelegte EU ein weltweiter „Leuchtturm“. Zum ersten Mal in seiner Geschichte könne Europa aber ernsthaft scheitern, wenn bei der Europawahl am 26. Mai die Populisten und Nationalisten stark abschneiden sollten. Gabriel plädierte an alle Anwesenden, pro-europäische Parteien zu wählen und machte klar: „Europa muss man wollen.“

In der anschließenden Fragerunde beantwortete Sigmar Gabriel u.a. Fragen zur Iran-Krise, zur Vision der „Vereinigten Staaten von Europa“ (laut Gabriel braucht es ein Europa der Nationen plus ein vereinigtes Europa) oder zur Rolle des EU-Parlaments. Abschließend überreichten OV-Vorsitzender Jörg Pauly und SPD-Fraktionschef Erich Klauser von der SPD Leinfelden-Echterdingen Sigmar Gabriel einen alten „Umpah-Pah“-Comic mit dem Titel „Die Rothaut“ – „Weil wir als SPDler ja alle Rothäute sind“, so Erich Klauser mit einem Schmunzeln. Umpah-Pah ist der indianische Titelheld einer von Uderzo und Goscinny im Jahr 1951 geschaffenen Comicserie, die der Vorläufer zu Asterix und Obelix war.