
Vor kurzem fand der traditionelle Neujahrsempfang der SPD-Fraktion LE in der Filderhalle statt, der mit rund 130 Gästen wieder sehr gut besucht war. Außer SPD-Mitgliedern waren Vertreter anderer Parteien, der Schulen, Kirchen, von Vereinen und aus der Flüchtlingshilfe zu Gast. SPD-Fraktionschef Erich Klauser begrüßte als Vertreter der Stadt Bürgermeister Dr. Kalbfell. Unter den Gästen war auch Michael Beck, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Esslingen.
In seiner Ansprache richtete Erich Klauser den Fokus auf die Flüchtlingsthematik: Bewusst habe man dieses Jahr auf einen prominenten Gastredner verzichtet, um stattdessen in Person von Ahmad Hag Muhammed einen syrischen Kriegsflüchtling die Gastrede halten zu lassen. „Wir wollen besser verstehen. Wir wollen nicht übereinander reden, nicht Vorurteile pflegen, nicht Dinge überhöhen oder auch verniedlichen. Wir wollen miteinander reden“, machte Erich Klauser das Anliegen der SPD LE deutlich. Der Fraktionsvorsitzende bedankte sich ausdrücklich bei den vielen Flüchtlingshelfern, die es gerade in LE gibt. Er verschwieg dabei nicht die Probleme, die mit der hohen Anzahl der ankommenden Flüchtlinge verbunden sind, betonte aber zudem die Lösbarkeit dieser Herausforderungen. Erich Klauser warnte in diesem Zusammenhang vor geistigen Brandstiftern und stellte klar: „Die Politik und die Politiker können nicht alles lösen, schon gar nicht die mit den schnellen Antworten. Wir alle sind gefragt.“
Der Fraktionschef verwies auf den hohen Standard der öffentlichen Infrastruktur in LE, an dem auch die SPD ihren Anteil habe: „Gerade wir haben in den vergangenen Jahren den Ausbau der Kindergärten, die notwendigen Schulerweiterungen, und die Betreuung unserer Kinder, vom Kleinkind bis zum Schulkind, als oberste Priorität gesehen.“ Dringend angepackt werden müsse – für Flüchtlinge wie für Einheimische – das Thema „sozialer Wohnungsbau“, das die SPD-Fraktion schon sehr lange auf ihrer Agenda hat.
Gastredner Ahmad Hag Muhammed erzählte auf eindringliche Weise von seinem früheren Leben in Syrien und seiner Flucht nach Deutschland. Seit November 2014 lebt Ahmad, der aus Latakia stammt, in Stetten. In Syrien hat er als Arabisch-Lehrer in einer Mittelschule gearbeitet und war vier Jahre lang Konrektor. Auch seine Familie ist inzwischen in die Türkei geflohen, weil die russischen Raketenangriffe immer schlimmer würden. Verwandte von Ahmad Hag Muhammed wurden getötet oder ins Gefängnis gesteckt. Auch Ahmad war im Herbst 2011 für 27 Tage eingesperrt, nachdem Schüler seiner Schule gegen Assad demonstriert hatten. Der Redner berichtet, wie er im Gefängnis gefoltert und erst nach einer Schmiergeldzahlung von dort entlassen wurde. Als Angehöriger der syrischen Opposition hat er den Flüchtlingen im Grenzgebiet Türkei/Syrien geholfen, ehe er Anfang August 2014 selbst geflohen ist. Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn ist Ahmad Hag Muhammed schließlich nach Deutschland gekommen. Viel Applaus gab es für seine Aussage: „Syrien braucht keine Verbrecher, Syrien braucht Frieden.“ Ahmad hat bei uns Arbeit und Freunde gefunden und hilft in der Flüchtlingsarbeit mit. Er sucht dringend eine große Wohnung oder ein Haus für sich und seine Familie, die im Frühjahr nach Deutschland nachkommen darf.
Für den musikalischen Rahmen sorgte erneut die auf hohem Niveau musizierende Schulband der Ludwig-Uhland-Werkrealschule unter Leitung von Frau Gedicke und Herrn Vockrodt. Besonders überzeugend geriet die „Welturaufführung“ des eigenen Stücks „Scheinwelt“, in dem die Schülerinnen und Schüler verarbeitet haben, was Musik für sie persönlich bedeutet. Für das Catering für den anschließenden Stehempfang sorgte die Schülerfirma der Lindach-Förderschule aus Stetten. Hans-Ulrich Kramer, Schriftführer der SPD LE