Der AKL präsentiert seine Arbeit.
Amtsblattartikel für den 9. bzw. den 16.3.12: Letzten Sonntag wurde in der Kantine der Firma Heller in Nürtingen der diesjährige Werner-Weinmann-Preis zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements vergeben. Der Preis ging diesmal an den „Arbeitskreis Leben Nürtingen-Kirchheim e.V.“ (AKL). Der AKL ist für Menschen da, die in kritischen Lebenssituationen nach Hilfe suchen. Die Unterstützung richtet sich ebenso an Menschen mit Suizidgedanken wie an Menschen, die einen Angehörigen oder eine nahestehende Person verloren haben.
Bereits seit 1983 arbeitet im AKL ein Team von Fachkräften mit inzwischen 35 Bürgern zusammen, die sich in Schulungen zu KrisenbegleiterInnen haben ausbilden lassen. Allein im vergangenen Jahr konnte der AKL Nürtingen-Kirchheim rund 300 Hilfesuchende begleiten. Im Zuge der Feierstunde bekamen einige der ehrenamtlich Tätigen Gelegenheit, sich und ihre so wichtige Arbeit vorzustellen. Sie würde Menschen in Krisen „Freundschaft auf Zeit“ anbieten, meinte eine Ehrenamtliche treffend. Innerhalb des AKL gibt es verschiedene Arbeitskreise. Ein AK wendet sich zum Beispiel speziell an Menschen im Ruhestand, der AK „Karibuni“ steht Asylbewerbern offen, die häufig unter Traumata (z.B. durch Foltererfahrungen) leiden. Im AKL-Treff treffen sich einmal die Woche Menschen zwischen 30 und 60 Jahren, die in Gruppen- oder auch in Einzelgesprächen über ihre Probleme reden. Geschäftsführerin Ursula Strunk meinte stolz: „Wir haben einen guten Ruf.“ So gebe es keine Probleme, Ehrenamtliche zu finden. Ein Problem seien hingegen die Finanzen: Weil der AKL ca. 40% an Eigenmitteln aufbringen muss, sei die Finanzierung jedes Jahr ein Kraftakt. Daher sei man auf Spenden angewiesen.
In seiner Begrüßung betonte Rainer Arnold, MdB für die SPD und Vorsitzender der Werner-Weinmann-Stiftung, dass das bürgerschaftliche Engagement zur Entlastung von professioneller sozialer Arbeit zwingend nötig sei. Ein solches Engagement brauche aber auch gesellschaftliche Anerkennung. Diese will u.a. der Werner-Weinmann-Preis schaffen. Rainer Arnold nannte alarmierende Zahlen: So nähmen sich laut Statistik jedes Jahr über 9000 Menschen in Deutschland das Leben, wobei die Dunkelziffer noch viel höher sein dürfte. Nach dem Unfalltod sei Suizid bei jungen Männern die zweithäufigste Todesursache. Vor diesem Hintergrund seien die vielfältigen, unbürokratischen Hilfsangebote des AKL sehr wichtig, so Arnold. Dabei spiele die Prävention eine wichtige Rolle.
Den Festvortrag hielt SPD-Landessozialministerin Katrin Altpeter. Die Gesellschaft sei ärmer, ja vielleicht gar nicht vorstellbar ohne ehrenamtliches Engagement, so Altpeter. „Bürgerschaftliches Engagement bringt Wärme und Zusammenhalt“, so die Sozialministerin. Es gebe zahlreiche Beispiele für sinnvolles Engagement. Dieses reiche von der Altenhilfe bis hin zur Lesepatenschaft für Grundschüler. Bürgerschaftliches Engagement sei aber kein Ersatz für professionelle Arbeit, sondern eine Ergänzung zu dieser. In Baden-Württemberg engagiere sich beinahe jeder Zweite für die Gemeinschaft. „Wir brauchen eine zeitgemäße Aufgabenverteilung zwischen Staat, Unternehmen und der Zivilgesellschaft“, betonte Katrin Altpeter. Gerade Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung würden bei der grün-roten Landesregierung groß geschrieben. Altpeter schloss mit einem Zitat des Schweizer Schriftstellers Max Frisch: „Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen.“ Die gut besuchte Feierstunde wurde von einem Klarinettenduo der Musik- und Jugendkunstschule der Stadt Nürtingen musikalisch umrahmt. Im Anschluss gab es zudem einen kleinen Umtrunk. Hans-Ulrich Kramer