SPD Leinfelden-Echterdingen

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Anhörung der SPD- Kreistagsfraktion zur zukünftigen gemeinsamen Bildung von Behinderten und Nichtbehinderten

Veröffentlicht am 03.04.2010 in Presseecho

Ulrich Bartels über den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Menschen in der Schule. Das hieran reges Interesse besteht zeigt unter Anderem eine Diskussion zum Thema "Integration und Inklusion - (wie) geht das?" in der Rohräckerschule, Esslingen.

Zweihundert Interessierte drängten sich in der Rohräckerschule, Esslingen, bei der Anhörung zum Thema „Integration und Inklusion – (wie) geht das?“ Es geht um gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern an Regelschulen. Eine Einführung in das Thema aus Sicht der modernen Pädagogik präsentierte Frau Prof. Dr. Merz-Atalik von der PH Ludwigsburg. Anschließend wurden das Modell einer Inklusionsklasse an der Burgschule Esslingen vorgestellt, wo behinderte Kinder ganz selbstverständlich – unter fachkundig sonderschulpädagogischer Betreuung - an der Regelschule mit unterrichtet werden, und das Modell einer Außenklasse an der Klosterhofschule Ostfildern, wo eine Sonderschulklasse geistig Behinderter weitgehend gemeinsam und in Kooperation mit einer Klasse der Regelschule unterrichtet wird.
Anders als in den meisten europäischen Ländern ist in Deutschland ein gesondertes Sonderschulwesen für Kinder mit Einschränkungen geschaffen worden, das in seiner rigorosen Absonderung nicht nur nicht mehr zeitgemäß ist, sondern auch nicht im Einklang mit der von der BRD unterzeichneten UN-Konvention steht. Die Menschenwürde erfordert es, Behinderten die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auch bei der Ausbildung so weit wie möglich zu ermöglichen. Dies führt zu besseren Ergebnissen bei beiden Gruppen, Behinderten wie nicht Behinderten. Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass diese drängende Fragestellung ganz besonders in Baden-Württemberg lange Zeit nicht erfasst wurde. Deshalb herrscht in der Bevölkerung, vor allem bei den Eltern nicht behinderter Kinder, Abwehr und Furcht vor Neuerungen. Dies liegt daran, dass die Landesregierung in keiner Weise mit einer Umstellung begonnen oder Konzepte erarbeitet und die Bürger auch nicht informiert hat, da sie diesen Fragen insgeheim ablehnend gegenübersteht. Diese Regierung findet nichts dabei, Behinderte von gemeinsamer Bildung auszugrenzen, obwohl integrierter Unterricht möglich wäre und angesichts der wohnortnahen Beschulung erhebliche Vorteile böte. Eine gute Möglichkeit, das Kultusministerium aus seiner Lethargie zu rütteln, dürfte die selbstbewusste Forderung der Eltern behinderter, aber auch nicht behinderter Kinder nach gemeinsamem Unterricht sein. Dies wird Aufgabe der kommenden Monate sein.

Ulrich Bartels (Kreisrat)