B27 Ausbau noch zeitgemäß?

Veröffentlicht am 10.12.2020 in Presseecho

Nicht vor 2030 wird der Ausbau der B27 kommen – die Planungen des Regierungspräsidiums (RP) schreiten aber bereits voran. Über den aktuellen Stand wurde im Rahmen einer Informationsveranstaltung in der Filderhalle berichtet. Erstmals war eine Teilnahme per Livestream möglich (siehe Foto).

Durch den Bau je einer weiteren Spur wird viel Fläche verbraucht. Bereits versiegelte Wirtschaftsfläche ist davon ebenso betroffen wie wertvolle landwirtschaftliche Fläche. Ist das wirklich noch zeitgemäß? Immer mehr Fläche für Autos versiegeln?

Der Ausbau ist beschlossen, aber bei weitem nicht unumstritten. Basis für den Entschluss war eine Verkehrszählung von 2018, bei der 89.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt wurden. Daraus wurde eine Prognose erstellt, bei der 2035 109.000 Fahrzeuge pro Tag vorhergesagt werden.

Wie sich der Verkehr aber in den kommenden Jahren wirklich entwickeln wird ist schwerer denn je vorauszusagen. Ja, es wird auch künftig mehr Wohngebiete entlang der Strecke geben. Aber auch nach Corona wird ein Teil an Homeoffice-Arbeit für ein paar Tage pro Woche unnötiges Pendeln vermeiden und damit zu weniger Verkehrsbewegungen führen.

Und wäre nicht der Ausbau des ÖPNV die bessere Alternative? Das RP geht laut Vortrag davon aus, dass selbst eine Verdopplung des ÖPNV scheinbar zu nur 10% weniger Verkehr auf der B27 führen würde. Was wohl dennoch einen Ausbau notwendig machen würde.

Insofern schreiten die Planungen voran und verschiedene Varianten entlang der heutigen Trasse werden vertieft untersucht.

Für die Anwohner könnte der Ausbau auch positive Auswirkungen haben:

Um den rechnerischen Durchschnitt von 49dB(A) nachts und 59dB(A) tagsüber zu erreichen werden auch in Bereichen, in denen es heute keine Lärmschutzwand gibt, umfassende Lärmschutzmaßnahmen notwendig sein. Davon profitieren z.B. die Bewohner der Esslingerstraße/Stadionstraße.  Auch der Tunnel an der alten Krauthalle würde länger und breiter.

Darüber hinaus soll durch den Ausbau der Verkehr aus der Region gebündelt und die Ortsteile deutlich entlastet werden. Mehr als 1000 Fahrzeuge weniger sollen dann pro Tag durch die Echterdinger Hauptstraße fahren, wodurch auch die kleineren Nebenstraßen entlastet werden würden. Ein Bau der LE durchschneidenden Nordsüdstraße wäre damit untragbar und sollte von der Agenda der Stadt genommen werden.

Jens Zellmer für die SPD-Fraktion