SPD Leinfelden-Echterdingen

Die soziale Kraft auf den Fildern.

Aktionsprogramm Kinderbetreuung für LE der SPD-Fraktion

Veröffentlicht am 24.10.2022 in Presseecho

Was können wir in LE tun - 10 Vorschläge zur Verbesserung der Situation

Uns erreichen viele Sorgen und Nöte von Eltern, die leider bisher keinen Platz für ihr Kind in einer Kita haben. Mehr als 300 Betreuungsplätze für größere und kleinere Kinder fehlen in LE aufgrund der Meldungen der Eltern, so die Auskunft der Stadtverwaltung. Das ist sehr, sehr bitter. Eltern sind zudem mit den aufgrund des Personalmangels eingeschränkten Öffnungszeiten unzufrieden. Rund 20 unbefristete Stellen im Erzieherbereich in städtischen Einrichtungen sind derzeit leider nicht besetzt. Wie lässt sich eine Berufstätigkeit, auf die viele angesichts der massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten und der hohen Mieten in LE zwingend angewiesen sind, mit den Öffnungszeiten einer Kita realisieren, die um 14 oder 15 Uhr schließt? Hinter jedem fehlenden Platz, jeder verminderten Öffnungszeit steht ein persönliches Schicksal einer Familie, das wir als SPD-Fraktion wirklich ernst nehmen. Sehr vieles ist in LE in den letzten Jahren im Bereich der Kinderbetreuung geleistet worden beim Bau neuer Kitas sowie der Gewinnung neuen Personals und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Ohne Frage war das sicher mehr als in manchen anderen vergleichbaren Gemeinden. Das ist gut so. Hierzu haben Gemeinderat und Verwaltung beigetragen. Auch das große Engagement der kirchlichen und freien Träger, die vor nahezu den gleichen Problemen stehen, verdient große Anerkennung. Natürlich kann sich unsere Stadt nicht von dem bundesweit so schmerzhaft spürbaren Trend abkoppeln, dass heute und auf absehbare Zeit sehr viele Erzieherinnen und Erzieher fehlen. Aber Kinder brauchen Plätze und gute Betreuung, denn Kitas sind Bildungsorte; deshalb müssen wir weitere Maßnahmen prüfen, anstoßen und realisieren. Vieles ist bereits getan, vieles bleibt noch zu tun. Was können wir in LE tun?

Sehen Sie hier unser 10-Punkte-Programm.

1. Transparenz erhöhen: Transparenz schafft zwar keine zusätzlichen Kita-Plätze, erhöht aber das Verständnis für die Situation und schärft das Problembewusstsein.

• Wir beantragen im Internetangebot der Stadt unter der Rubrik „Bürger“ im Bereich „Kinder & Betreuung“ eine eigenständige Rubrik einzurichten, in der sich Eltern über die fehlenden Plätze, Wartelisten und nicht besetzte Stellen bei Bedarf informieren können. Zudem sollte dort über das, was bereits getan wurde und die zu beachtenden rechtlichen Rahmbedingungen informiert werden. Wichtig ist auch, die Transparenz bei der Platzvergabe zu erhöhen und die dafür verwendeten Kriterien zu erläutern.

• Wir bitten, künftig regelmäßig einen Newsletter an die Eltern der Kita-Kinder und die Eltern auf der Warteliste zu verschicken, um Transparenz herzustellen und umfassend zu informieren.

• Der Meinungsaustausch mit den Eltern über die Zoom-Konferenz am 21.9.2022 hat sich aus unserer Sicht bewährt. Wir bitten, dieses Angebot regelmäßig und natürlich erst recht bei entsprechendem Bedarf fortzusetzen.

• Wir bitten, in jedem Quartal den Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss (VKS) kurz im öffentlichen Teil der Sitzung über den aktuellen Stand mündlich zu informieren.

Wir beantragen, die Eltern auf der Warteliste und zwar die Eltern, die sich fristgerecht angemeldet haben und die Eltern, die sich bspw. wegen eines kurzfristigen Umzugs später angemeldet haben, über die Situation der Kinderbetreuung in LE zu informieren und auf die weiteren Informationsangebote hinzuweisen.

2. Personalgewinnung professionalisieren: Etliche Eltern berichten, dass sie die Stellenangebote der Stadt im Erzieherbereich in den sozialen Medien oft nicht finden. Es muss deshalb überlegt werden, inwieweit die Personalgewinnung durch Einbindung externer Expertise und Bereitstellung der dafür erforderlichen Mittel noch weiter verbessert werden kann. Vielleicht sind die dabei gewonnenen Erkenntnisse auch für andere Bereiche der Verwaltung von Nutzen, da offenbar derzeit 50 Stellen in der Verwaltung LE nicht besetzt sind. Vielleicht lassen sich ja auch neue Kolleginnen und Kollegen finden, wenn in Linked In/Xing Bilder bereitgestellt werden, die von den Mitarbeitenden geteilt werden können.

3. Arbeitsbedingungen weiter verbessern:

• Im Mai 2022 hat der Gemeinderat beschlossen, zur Entlastung der Kita-Fachkräfte in einem Pilotprojekt in ausgewählten Einrichtungen Bürokräfte einzusetzen. Wir bitten um einen kurzen Bericht spätestens zu Beginn des nächsten Jahres. Da wir davon ausgehen, dass dieses Pilotprojekt überaus sinnvoll ist und sich bewährt hat, bitten wir darum, in den Planungen für 2023/24 davon auszugehen, dass diese Maßnahme in allen Einrichtungen umgesetzt wird. Vielleicht lassen sich noch weitere Berufsgruppen mit in Kitas benötigten Qualifikationen finden, die sinnvoll eingesetzt werden können. Der Zugang von „Quereinsteigern“ sollte erleichtert werden.

• Insbesondere in der derzeitigen Situation ist der Koordinierungsaufwand für die KitaLeitungen besonders hoch. Die bisher durch das Gute-Kita-Gesetz des Bundes finanzierte Leitungsfreistellung ist derzeit leider nur bis Ende 2022 finanziert. Wir bitten um einen kurzen Bericht darum, wie der Stand der Verhandlungen zwischen Bund und Ländern ist, damit über die kommunalen Landesverbände verstärkt weiterer öffentlicher Druck aufgebaut werden kann . Ein Verzicht auf die Leitungsfreistellung in den Einrichtungen ist für uns nicht vorstellbar.

• Wir bitten darum im Rahmen des umfassenden Fortbildungsangebots der Stadt spezielle Teambuilding-Kurse für Kitas anzubieten und/oder Mittel vorzusehen, dass externe Dienstleister beauftragt werden können.

4. Rechtliche Rahmenbedingungen anpassen:

Der Betrieb von Kitas ist umfassend durch landesrechtliche Regelungen geprägt. Natürlich braucht eine gute Kinderbetreuung einen rechtlichen Rahmen. Manche Regelungen haben sich allerdings „überlebt“. Manche Standards müssen überprüft werden, Es wird darum gebeten, über die kommunalen Landesverbände erneut eine Initiative zu starten, damit hauswirtschaftliche Kräfte und Verwaltungskräfte zumindest befristet im Stellenschlüssel berücksichtigt werden können. Das Verfahren der Anerkennung ausländischer Abschlüsse von Kita-Personal muss schneller werden.

5. Prüfung des Platzsharings: Die Arbeitswelt ändert sich rasant. Heute sind viele Arbeitszeitmodelle möglich, die es bisher noch nicht gab. Damit ändern sich auch Betreuungsbedarfe von Eltern. Wir bitten darum zu prüfen, ob sich nicht 2 Elternpaare einen Betreuungsplatz teilen können?

6. Prüfung, ob Kindertagespflegepersonen in Kitas angestellt werden können?: Es wird um Prüfung gebeten, ob Kindertagespflegepersonen in Kitas angestellt werden können und wenn ja zu welchen Konditionen? Gibt es Interesse von Kindertagespflegepersonen an einer Beschäftigung in Kitas, die derzeit nicht in der Kindertagespflege tätig sind?

7. Bildung von Netzwerken unter Familien (Familien helfen Familien): Die Verwaltung hat bereits vor einiger Zeit Eltern angeboten, in Randzeiten die Betreuung ihre Kinder in den Räumen der städtischen Kitas eigenverantwortlich als private Spielgruppen zu organisieren. Das kann natürlich keine Lösung auf Dauer sein. Wir bitten trotzdem darum, in dieser Notsituation, nochmals für diese Lösung zu werben.

8. Wann sind die derzeit im Bau befindlichen Einrichtungen baulich fertig gestellt?: Die städtische Kita in den Schelmenäckern und der katholische Kindergarten St. Gabriel werden derzeit gebaut. Zu welchen Zeitpunkten erfolgt die Fertigstellung? Wie ist der Zeitplan für die Kita Stangen in Echterdingen?

9. Wohnungen für Erzieherinnen und Erzieher bauen: Der Wohnungsmarkt ist leer gefegt. Es fehlt insbesondere bezahlbarer Wohnraum. Bei der Planung neuer Wohngebiete sind künftig immer Wohnungen für städtische Bedienstete, insbesondere Erzieherinnen und Erzieher vorzusehen.

10. In den Schulen der Stadt und bei der Börse deiner Zukunft für den Erzieherberuf werben: Ergänzend zu den vorgesehenen Kampagnen von Bund und Land, um für den Beruf der Erzieherinnen und Erzieher zu werben, bitten wir darum, auch vor Ort tätig zu werden und die vorhandenen Netzwerke zu nutzen.